Interview

Caro Gredler

Caro Gredler ist 28 Jahre jung, wohnt in Großgmain am Fuße vom Untersberg, ziemlich genau an der Grenze zwischen Deutschland und Österreich, nahe Bad Reichenhall. Aus Bad Reichenhall kommt nämlich ihr Freund Philipp Reiter, der laufende Fotograf und Alpinist, der in der Szene weit bekannt ist. Eines will Caro aber nicht: Dass man ihr nachsagt, sie habe erst mit Bergtouren und dergleichen begonnen, seit sie Philipp kennengelernt hat, denn das geht viel weiter zurück. Über Touren auf Drei- und Viertausender spricht sie mit einer Selbstverständlichkeit, als wäre es ein Waldspaziergang…. aber beginnen wir von vorne!

Caro Gredler

© Foto: Philipp Reiter

Caro Gredler

© Foto: Philipp Reiter

Caro, du stammst ja eindeutig nicht aus Salzburg oder Bayern, dein Dialekt ist ein anderer. Woher kommst du?

Caro: Das stimmt, ich bin aus Kundl, das ist im Tiroler Unterland (grob gesagt zwischen Jenbach und Wörgl), also aus den Bergen und schon seit Jahren gerne auf hohen Gipfeln und Touren unterwegs. Nach dem Studium hat es mich dann beruflich nach Salzburg verschlagen.

Wenn man sich deinen Instagram Account ansieht, fällt auf (abgesehen von den fast 9.000 Followern), dass du vor einigen Jahren noch öfter mit Startnummer zu sehen warst, jetzt aber nicht mehr. Woran liegt das?

Caro: Das wissen nur wenige, aber ich habe recht große, chronische Probleme mit meinen Oberschenkeln. Bei oder nach einer längeren Belastung machen diese, wie man so schön sagt, komplett zu und ich habe immer Schmerzen. Die nächsten 2, 3 Tage kann ich dann meistens gar nichts machen. Also ist es so: Wenn ich schon was mache und am nächsten Tag nichts tun kann, dann gleich was ‚Gscheites’ – Auch wenn das wohl nicht die beste Taktik oder zu empfehlen ist (zwinker). Mehrtägige Touren und Rennen sind fast nicht möglich, aber ich versuche das Beste daraus zu machen. Bei Skitouren geht es auch besser.

Wie hat bei dir alles begonnen?

Caro: Ich habe eigentlich mit dem Straßenlauf begonnen, zb. 10 Kilometer Läufer oder Halbmarathon auf der Straße. Über ein paar Ecken bin ich dann zum Trailrunning gekommen, das hat mir von Anfang an einfach so gut gefallen. Mein ersten Trailrennen war der IATF über die 15km und der Speedtrail beim Hochkönigman. Zwei Wochen später musste ich dann gleich die 40KM Distanz beim Zugspitz Ultra „ausprobieren“. Rennen wie der Karwendellauf, Ultraks oder der Kaisermarathon bei der Tour de Tirol folgten noch im selben Jahr. Mir hat die Rennatmosphäre immer riesen Spaß gemacht und ich war lustigerweise, trotz dem wenigen Training, gar nicht so schlecht.

Dass ich mich dann nach so intensiven Belastungen eine Woche gar nicht mehr recht bewegen konnte, haben eigentlich die wenigsten gewusst. Die Rennen selbst waren mein Training.

Ganz lassen kann ich es jetzt auch nicht mit dem laufen, auch wenn ich Probleme habe – es macht mir einfach zu viel Spaß.

(Während wir so gemeinsam auf der Schaukel sitzen, gibt Philipp Anweisungen für die Fotos).

Wie geht es dir da mit Philipp – er ist so viel unterwegs, bist du eifersüchtig, wenn du siehst, dass er eben keine Probleme hat?

Caro: Nein, überhaupt nicht. Ich mache ja trotzdem sehr viel und vor allem viel Alternativsport. Wir machen sehr vieles zusammen und das passt wirklich gut so. Wenn er schneller ist, dann läuft er einfach mal vor und kommt mir wieder entgegen.

Manchmal ist es auch so, dass er mich ein bisschen bremsen muss, weil ich noch mehr machen möchte.

Caro Gredler

© Foto: Philipp Reiter

Was machst du am liebsten, wofür schlägt dein Herz im Sport?

Caro: Ich mache so viel so gerne, am liebsten sind mir Hochtouren, bei denen man den ganzen Tag unterwegs ist, weit hinauf kommt (Caro strahlt) …

Macht ihr die Touren auch gemeinsam, Philipp und du?

Caro: Ja, wir sind wie gesagt viel gemeinsam unterwegs. Viele meinen, dass Philipp mich treibt, dabei ist das ganz anders.

Eigentlich bin ich die, die Philipp zb im Urlaub für eine Hochtour oder eben längere Sachen überreden muss. Im Nachhinein sagt er dann oft: „Du hattest recht, so fad war es doch nicht“ und es gefällt ihm. Er ist der, der lieber am Vormittag schnell wo hinauf rennt und dann Mittag wieder zurück ist. Ich mag es, den ganzen Tag unterwegs zu sein.

Dein Freund Philipp ist ja in der Szene ein ziemlich ‚bunter Hund‘. Wie habt ihr euch kennengelernt?

Caro: Wir waren 2018, also vor 3 Jahren, bei einem Fotoshooting für das Innsbruck Alpine Trailrun Festival. Philipp war Fotograf und ich Läuferin, also in dem Fall Fotomodel. Als ich Philipp dort erzählte, dass ich bald nach Salzburg ziehen würde, meinte er ich solle mich doch melden und dann würde er mir ein wenig meine neue Heimat zeigen. Gesagt getan – zu diesen Zeitpunkt hatte ich jedoch nicht wirklich Interesse an einer Beziehung und Philipp auch nicht (sagt er halt mal). Wir haben dann aber ziemlich rasch ziemlich viel gemeinsam gemacht und dann ergab eins doch das andere …

Caro Gredler

© Foto: Philipp Reiter

Als Partnerin von jemandem, der manchmal so extrem ist wie Philipp – beispielsweise als er Anton Palzer bei seinem Rekordlauf bei der Watzmannüberschreitung gefilmt hat – hat man da nicht Angst?

Caro: Ja, schon, ich denke mir schon manchmal: Irgendwann haut’s ihn wo runter. Aber er sagt mir jetzt zumindest wenn er alleine unterwegs ist, WO er unterwegs ist, damit jemand Bescheid weiß.


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Was war denn euer schönstes gemeinsames Erlebnis?

Caro überlegt nur kurz: Der Mittellegigrat am Eiger war wunderschön und der Sonnenaufgang unvergesslich. Auch der Mont Blanc. Wir haben die Tour an einem Tag gemacht, sind mitten in der Nacht los, nur mit einem halben Liter Wasser, um Gewicht zu sparen. Das war schon grenzwertig, aber wir hatten ein kurzes Zeitfenster, weil ab Mittag Schlechtwetter angesagt war und wir wollten es unbedingt schaffen. Zudem gibt es dort eine Stelle, die wirklich schwierig bzw. gefährlich ist und man sollte da unbedingt frühmorgens unterwegs sein. Solche Touren und Momente vergisst man nie wieder.

Im Himalaya seit ihr auch gemeinsam gewesen?

Caro: Ja, genau. Expeditionen wären generell ein Traum von mir, aber das ist natürlich eine Frage der Zeit. Ich würde mit den einfachen Expeditionen beginnen, wo man nicht so lange herumsitzen muss, zum Beispiel in Peru.

„Mei“, wir waren damals ja im Himalaya, in Nepal, da hatten wir großes Pech mit dem Wetter. Wenn du 4 Wochen in dieser Höhe herumsitzt und wartest, das ist dann schon lang. Mir macht das nichts aus, aber für Philipp ist das überhaupt nichts. Er mag es nicht zu warten, das ist wirklich nicht seins (lacht). Wir hatten damals nur einmal wirklich ein Schönwetterfenster. Philipp ist schon früher angereist und war gleich zu Beginn höhenkrank, weil die Vorbereitung zuhause mit dem Höhenzelt nicht wirklich geklappt hat. Ich musste erst einmal viel Zeit am Flughafen absitzen, weil der Hubschrauber wegen des Schlechtwetters nicht starten konnte. Das war schon belastend. Trotzdem vergisst man solche Erlebnisse nicht.

Caro Gredler

© Foto: Philipp Reiter

Was machst du beruflich?

Caro: Ich bin als internationale IT-Projektleiterin bei der Porsche Holding tätig. Das gefällt mir, fordert mich und ich finde es gut, dadurch einen weiten Horizont zu haben, auch abseits des Sports. Die Work Life Balance zu halten ist jedoch nicht immer so einfach. Ich habe recht viele Meetings und wenn eine Stunde Pause ist, dann springe ich gerne schnell hinaus um etwas in der Natur zu machen.

"Den Aperol Spritz an der Salzach gönne ich mir dann aber eher mit einer Freundin, das ist für Philipp mehr eine Strafe als Genuss."

Caro Gredler

Was macht ihr eigentlich sonst gerne gemeinsam? Wie sieht euer Alltag aus?

Caro: Unser Alltag ist sehr getaktet, Philipp hat auch sehr viel zu tun und reist viel. Zum gemeinsamen Kochen versuchen wir uns ein wenig Zeit zu nehmen. Job, Freizeit und Reisen möchten wir immer so gut wie möglich kombinieren. „Mobile Working“ leben wir zu 100% - Das bedeutet aber auch, sich oft im Hotel oder im Camper nach einer anstrengenden Tour abends wieder hinzusetzen und zu arbeiten oder es wird überhaupt ein „Working Day“ auf der Reise eingelegt. Wir sind da sehr optimiert, das bedeutet z.B. auch eine Watzmann Winterüberschreitung schnell in einen halben Tag zu gehen und die letzten Kilometer mit Ski und Skischuhen in der Hand das Watzmannkar hinauszulaufen, um das 13:30 Meeting rechtzeitig zu schaffen :D. Klar denken sich da viele: „Das würde ich mir halt nicht antun und das will man doch genießen und keinen Stress“. Meine Antwort darauf: Klar, würde ich auch lieber, aber nu so funktioniert es eben, beides unter einen Hut zu bekommen. Solange es noch so gut geht, versuchen wir es auch auszunützen.

Wir verbringen aber auch gerne Zeit mit der Familie. Außerdem beginnen wir bald mit dem Fliegen, also Paragleiten – als Altersvorsorge sozusagen (zwinker). Ich gehe auch ganz gerne mal auf 1-2 Gläschen oder gut essen.

Den Aperol Spritz an der Salzach gönne ich mir dann aber eher mit einer Freundin, das ist für Philipp mehr eine Strafe als Genuss.

Caro Gredler

© Foto: Philipp Reiter

Darf man auch fragen, ob die Familienplanung bei euch ein Thema ist?

Caro: Ja, das ist schon ein Thema, aber dafür ist es noch zu früh… und vermutlich wird es so sein, dass ich wohl dann zuhause bin, also das hat noch ein paar Jahre Zeit. Die Karriere ist mir schon noch wichtig und ich bin einfach auch ein zu aktiver Mensch, um den Fokus jetzt auf Kinder zu legen.

Zurück zur Ernährung: Was kocht ihr so?

Caro lacht: Eigentlich immer das Gleiche. Wir nehmen uns zwar oft vor, mehr Abwechslung in unsere Küche zu bringen, aber wir lieben beide Salat. Dazu gibt es meistens Kartoffeln und noch ein Ei darüber, das schmeckt uns einfach am besten!

Das klingt, als wäre euch gesunde Küche sehr wichtig?

Caro: Ja, wir essen schon sehr gesund. Wobei Philipp ein guter Kunde beim Bäcker ist und immer wieder süße Mehlspeisen heimbringt, wo ich auch nicht ganz widerstehen kann.

"Expeditionen wären generell ein Traum von mir, aber das ist natürlich eine Frage der Zeit. Ich würde mit den einfachen Expeditionen beginnen, wo man nicht so lange herumsitzen muss, zum Beispiel in Peru."

Caro Gredler

Du bist bei großen Projekten meistens mit dabei, zum Beispiel beim Alpfronttrail als On-Field Koordinatorin und bei der Planung (bei den Labestationen). Wie geht es dir dabei?

Caro: Ich mag es sehr gerne, da im Hintergrund mitzuwirken, wobei das meist anstregneder ist als selbst mit zu laufen. Man schläft wenig und es ist stressig, aber ich mag die Art von Stress. Man ist aktiv dabei, bekommt trotzdem alles mit und ist voll involviert. Mir gefällt es einfach Sportprojekte zu organisieren, koordinieren und umzusetzen – da kommt wohl die Managerin wieder in mir durch (hihi).

Was machst du sonst gerne?

Caro: Sportlich gesehen so vieles! Radfahren, laufen, Skitouren und wir beginnen bald gemeinsam mit dem Paragleiten. Ich bin zwar ein bisschen aufgeregt, aber ich freue mich sehr darauf! Aber auch einfach mal „Kaffeetscheln“ mit Freunden oder den Abend auf der Couch verbringen – gehört bei mir dazu UND das brauche ich auch!

Was planst du heuer noch?

Caro: Sonst: mal schauen, es gibt so viel zu entdecken! Ich bin mir sicher: So einige coole Bergtouren oder z.B. Bikepacking-Trips werden sich dieses Jahr schon noch ergeben – Fad wird mir ganz sicher nicht!

Caro Gredler

© Foto: Philipp Reiter

Caro Gredler ist 28 Jahre jung, wohnt in Großgmain am Fuße vom Untersberg, ziemlich genau an der Grenze zwischen Deutschland und Österreich, nahe Bad Reichenhall. Aus Bad Reichenhall kommt nämlich ihr Freund Philipp Reiter, der laufende Fotograf und Alpinist, der in der Szene weit bekannt ist. Eines will Caro aber nicht: Dass man ihr nachsagt, sie habe erst mit Bergtouren und dergleichen begonnen, seit sie Philipp kennengelernt hat, denn das geht viel weiter zurück. Über Touren auf Drei- und Viertausender spricht sie mit einer Selbstverständlichkeit, als wäre es ein Waldspaziergang…. aber beginnen wir von vorne!


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