Interview

Florian Grasel

Florian Grasel ist 40 Jahre jung und lebt als Flachlandtiroler in der Buckligen Welt in Niederösterreich. Er ist Familienvater, Firmenchef und sehr erfolgreicher Ultraläufer. Seine #lifeworktrailbalance ist ihm dabei das Wichtigste!

Florian Grasel

© Foto: Sandro Zangrando

Florian Grasel

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Lieber Flo, es freut uns sehr, dass du heute für ein Interview zur Verfügung stehst. Du bist bereits der dritte Gesprächspartner und auch dich möchten wir abseits vom Sport bzw. Trailrunning etwas genauer kennenlernen. Was treibst du, wenn du nicht gerade deine Trainingskilometer abspulst, deinen Körper stärkst, stabilisierst, dehnst oder mobilisierst?

Florian: Diese Frage ist recht einfach zu beantworten. Ich bin Vater von 3 ½ jährigen Zwillingen, die zwei brauchen entsprechend viel Zeit. Außerdem habe ich selbst eine Firma, wo ich sehr gefordert bin. Ich versuche die bekannte #lifeworktrailbalance tagtäglich im Gleichgewicht zu halten.

Viele, die dich kennen, die kennen auch deine gerade angesprochene #lifeworktrailbalance. Kannst du uns dazu deine neuesten Erkenntnisse verraten?

Florian: Das ist so genau richtig gewählt. An erster Stelle steht Life, das Leben mit der Familie und den Kindern. Auch die Arbeit ist für mich sehr erfüllend. Danach kommt der Trail, für den mein Herz schlägt. Ich bin schon von vielen darauf angesprochen worden, wie sich das alles ausgeht und viele meinen auch, dass es ein Lug und Trug ist, weil es gar nicht funktionieren kann. Ehrlich gesagt, es funktioniert auch nicht immer und genau deshalb ist es so wichtig, dieses ‘Balancing’ im Hintergrund zu haben. Meine Frau bringt mich oft in die richtige Richtung. Es ist keineswegs alles eitle Wonne, wie es dieser Hashtag vielleicht im ersten Moment rüberbringt.

Kann es sein, dass die permanente Suche nach Balance auch zu Dysbalancen führen kann?

Florian: Absolut. Speziell jetzt im Sommer ist die Zeit mit Wettkämpfen, die Zeit in der man viel draußen unterwegs sein kann. Hier ist es wichtig, dass man gleichzeitig nicht Familie und Arbeit vernachlässigt. Ich könnte natürlich 24 Stunden am Tag laufen, weil es mir wirklich Spaß macht, aber logisch – das geht natürlich nicht.

Erzähl uns etwas über deinen sportlichen Werdegang und wie bist du zum Trailrunning gekommen?

Florian: Als kleines Kind habe ich Fußball gespielt, in der Schulzeit war ich im Sportgymnasium. Dort war ich schon immer der Ausdauertyp und nicht Sprinter. Nach dem Sportgymnasium bin ich aber in die EDV-Branche gewechselt. Ich war ein kompletter Workaholic. Erst mit etwa 30 bin ich dann wieder zum Laufen gekommen und habe gewechselt – vom Workaholic zum Laufaholic. Ich habe eben die eine Sucht durch die andere ersetzt. Mit der #lifeworktrailbalance versuche ich aber alles im Gleichgewicht zu halten.

Florian Grasel

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Was wäre eine Alternative zum Trail- bzw. Ultralauf, wenn du dieser Sportart nicht verfallen wärst?

Florian: Ich bin einfach wirklich gerne draußen unterwegs, ich lerne gerne neue Wege kennen und bin sehr gerne in den Bergen unterwegs. Einen anderen Sport wie zb Tennis stelle ich mir sehr schwer vor. Für mich ist es befreiend, wenn gerade Zeit ist, wenn gerade kein Kind schreit, in der Arbeit Zeit ist – dann kann ich mir einfach die Laufschuhe schnüren und hinausgehen.

Stellst du dir nicht zuweilen auch die Frage: Ist es der ganze Aufwand wert? Könnte ich mit meiner Zeit nichts gescheiteres anstellen?

Florian: Nein, ich bin ja nicht Profi und es ist für mich weiterhin ein Ausgleich, wenn auch in sehr ambitionierter Form. Diese eine, zwei oder drei Stunden die ich hinausgehen kann, sind einfach schön. Natürlich denke ich öfters darüber nach ob die Zeit in der Arbeit nicht besser aufgehoben wäre. Aber einen Porsche brauche ich ohnehin nicht…

Deine sogenannte Hausstrecke ist 500m lang und hat 111 Höhenmeter.
Wie bereitet man sich unter solchen Umständen auf einen Ultramarathon vor?

Florian: Es glauben ja viele gar nicht, dass ich ein Flachlandtiroler bin. Ich komme aus der Buckligen Welt in Niederösterreich. Die angesprochene Strecke ist für mich eine Trainingsrunde. Vielleicht ist dieses permanente auf und ab eine gute Bewährungsprobe für Ultraläufe. Es ist vermutlich so wie Intervalltraining für einen Marathon. Der Schneeberg, der größte Berg in Niederösterreich ist für mich aber in 45 Minuten erreichbar. Am Wochenende laufe ich dort auch sehr gerne.

Florian Grasel

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Beim GGUT bist du in der Startliste, wie sieht es mit dem UTMB aus und die Ziele dahingehend und auch für die nächsten Jahre - nachdem der UTMB bekanntlich DEIN Rennen ist.

Florian: Heuer habe ich mich für den TDS entschieden, 145 Kilometer mit beinahe den gleichen Höhenmetern wie der UTMB, also 9.500 Höhenmetern. Die Strecke soll wesentlich technischer sein und viele haben mir gesagt, das sei eigentlich viel eher meine Strecke. Ich bin schon fünfmal den UTMB gelaufen und heuer probiere ich etwas Anderes.


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Wie siehst du die ganze Entwicklung im Ultra-Trail – wohin führt der Hype?

Florian: Es wird sicher nicht stagnieren, sondern mehr werden. Ob das gut oder schlecht ist, wird sich weisen. Ein Beispiel ist der Ironman im Trailbereich. Als Unternehmer verstehe ich natürlich, dass etwas wachsen muss. Ich hoffe trotzdem, dass das Herz dabei bleibt, auch bei den großen Bewerben. Es sollte nicht nur auf Leistung und Kommerz ausgerichtet sein.

Wie sehr nagt eigentlich der FKT am Berliner Höhenweg an dir? Und, wirst du es noch einmal versuchen?

Florian: Der Rekord vom Südtiroler Daniel Jung war zwei Jahre lang unberührt und ich bin einfach hingefahren, frei nach dem Motto: “Das möchte ich mir einmal ansehen.” Ich habe den Rekord um über 2 Stunden gebrochen. 20 Minuten später ist dann Peter Kinzel eingelaufen und war noch einmal 10 Minuten schneller. Wir wussten überhaupt nichts voneinander.

Ich bin mit dem Auto hingefahren, hatte nichts geschlafen und bin dann wieder heimgefahren. Beim Tankstopp am Heimweg habe ich erfahren, dass mein Rekord eben schon wieder passé ist. Ich war in erster Linie aber so müde, dass ich einfach froh war, heimzukommen. Es hat aber schon an mir genagt. Daniel hat den Rekord in der Zwischenzeit auch noch einmal verbessert. ‘Unsupported’, also ohne Unterstützung und mit Schlaf im Vorhinein wollte ich es aber auch noch einmal probieren und habe das auch wieder verbessert.

Florian Grasel

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Du bist vor ein paar Tagen 40 geworden. Wie geht's dir? Gibt es bei all deinen Ultras und Projekten mittlerweile Verschleißerscheinungen? Platz 12 beim Lavaredo Ultra lässt darauf schließen, dass du mega fit bist.

Florian: Gottseidank geht es mir körperlich sehr gut. Die Regeneration und das wenige Schlafen nagt schon ein bisschen am Körper. Ich fühle mich rundherum eigentlich topfit. Beim Großglockner Ultratrail möchte ich auf jeden Fall die 14.40 h von 2019 unterbieten. Ich denke ich bin auch besser trainiert als vor zwei Jahren.

"Natürlich denke ich öfters darüber nach ob die Zeit in der Arbeit nicht besser aufgehoben wäre. Aber einen Porsche brauche ich ohnehin nicht… "

Florian Grasel

Welche sind deine 3 Lieblingsregionen? In welchen 3 Regionen bist du in Österreich am liebsten auf den Trails unterwegs?

Florian: Das ist eine schwierige Frage. Österreich hat so schöne Plätze zu bieten und ich bin immer begeistert wenn ich etwas Neues kennenlernen darf. Echt schwierig… angefangen vom Pitztal über die Großglockner Region, Hochkönig. Auch der Schneeberg bei uns hat so schöne Seiten.

Florian Grasel

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Welche Projekte, Ziele, Wünsche, Träume hast du - sportlich, beruflich, privat?

Florian: Privat möchte ich auf jeden Fall meine Kinder aufwachsen sehen. Ich möchte nicht, was jetzt schon teilweise der Fall ist, hören: “Der Papa ist schon wieder laufen.” Das möchte ich definitiv im Ausgleich wissen.

Beruflich möchte ich meinen Mitarbeitern einen guten, sicheren Arbeitsplatz geben. Für mich soll es Erfüllung sein und ich will nicht das Gefühl haben, meine Zeit abzusitzen.

Im Sport ist mir das Wichtigste, auch mit 60+ noch mit meinen Kindern auf den Berg gehen zu können. Ich will mich nicht zu Tode laufen, mega Kniebeschwerden haben und mehr Tabletten nehmen müssen um mit meinen Kindern auf einen Berg gehen zu können. Renntechnisch ist mir der TDS wichtig und beim Berliner Höhenweg fände ich es spannend, welche Zeit mit ‘Supportern’ möglich ist.

Ein weiteres Projekt habe ich noch im Kopf: Die drei höchsten Berge von Österreich aneinandergereiht laufen.

Auf jeden Fall möchte ich einmal im Leben auch den Hardrock 100 in Amerika laufen.

"Ich möchte mich nicht zu Tode laufen, sondern auch mit 60+ noch mit meinen Kindern auf den Berg gehen können."

Florian Grasel

Angenommen du könntest von einem Tag auf den anderen nicht mehr laufen. Welche Sportart wäre Nr. 2?

Florian: Ich fahre sehr gerne Rad, außerdem wandern und Skitouren. Hauptsache draußen unterwegs.

Florian Grasel

© Foto: Sandro Zangrando

Florian Grasel ist 40 Jahre jung und lebt als Flachlandtiroler in der Buckligen Welt in Niederösterreich. Er ist Familienvater, Firmenchef und sehr erfolgreicher Ultraläufer. Seine #lifeworktrailbalance ist ihm dabei das Wichtigste!


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Lieber Flo vielen Dank für das nette und sehr interessante Gespräch. Zum Abschluss möchte ich dich noch bitten ein paar Fragen aus unserem Trailrun365-Fragenrucksack zu beantworten.

1. Wie schaut dein perfekter Trailtag aus?
Mit netten Leuten draußen unterwegs sein, egal wie schnell oder weit. Einfach gemeinsam eine gute Zeit haben.

© Foto: Sandro Zangrando

2. Wenn Du eine berühmte Persönlichkeit – egal ob lebendig oder tot – treffen dürftest: Wer wäre es und warum?
Ich würde sehr gerne einmal mit Kilian Jornet laufen und ihn abseits vom Trubel erleben.

3. Für welche drei Dinge in Deinem Leben bist Du am dankbarsten?
Auf jeden Fall für meine Kinder und meine Ehefrau. Sportlich gesehen, dass ich ohne Probleme laufen kann und diese ganzen Ultraläufe durch jahrelangen Aufbau gut laufen kann.

4. Auf was könntest Du in Deinem Leben nicht verzichten?
Auf das Bier danach (lacht). Meine Kinder sind wirklich eine Bereicherung für mein Leben. Sie haben mir so viel gelernt und gezeigt was im Leben wichtig ist, wie man seine Emotionen richtig lebt.

5. Wofür würdest Du mitten in der Nacht aufstehen?
Fürs laufen.

6. Womit kann man Dich auf die Palme bringen?
Mit Social Media Posts wie “Ich habe es ins Ziel geschafft und liege jetzt mit der Infusion im Lazarett, aber ich habe es trotzdem geschafft.” Das bringt mich ehrlich auf die Palme. Dann noch die Glückwünsche dazu, dass man durchgebissen hat.

7. Wo siehst du Dich in 10 Jahren?
Hoffentlich genau da wo ich jetzt auch bin.

8. Dein zuletzt gehörte Song auf Deinem Smartphone?
Ich höre eher Podcasts im Unternehmensbereich.

9. Mit was belohnst du dich nach einem Finish bei einem Ultramarathon?
Mit einem Bier und Pizza.

10. Dein perfekter Urlaub?
Ein Sporthotel mit Therme und Kindern, wo ich auch Laufen gehen kann. Wenn das vereint ist – perfekt.

11. Was bedeutet Glück für dich?
Die Ausgeglichenheit der #lifeworktrailbalance und keiner dieser 3 Bereiche leidet.