Trail der Woche

U4 – U4, mit 1000 Höhenmetern

Wer glaubt, dass Trailrunning in (und um) Wien herum nicht geht, der sei an dieser Stelle eines besseren belehrt. Und nein, wir reden hier nicht von „Urban Trails“ quer durch die Stadt, denn ein Merkmal des Trails ist ja, dass auf vorwiegend unbefestigten Wegen gelaufen wird.

© Foto: Egon Theiner

© Foto: Egon Theiner

Aktuell werden von einer Wiener Laufgruppe alle U-Bahn-Linien abgelaufen, also auch die U4, die von Heiligenstadt im 19. Bezirk quer durch die Stadt nach Hütteldorf in den 14. Bezirk führt. Das sind 16,5 Kilometer, viele Höhenmeter sind darin nicht enthalten.

Doch wenn Trailläufer in der Bundeshauptstadt von U4-U4 sprechen, dann leuchten ihre Augen, und etwas Salbungsvolles legt sich in ihre Stimmen. U4-U4 ist neben dem RULT („Rund um den Lainzer Tiergarten) die wohl beliebteste Strecke, und dies aus mehreren Gründen, beispielsweise jenen, dass es im Wienerwald von Forststraßen, Trails und mit Mountainbiker geteilten Trails nur so wimmelt und man U4-U4 in rund 20 oder rund 30 km laufen kann; oder jenen, das bis zu 1000 Höhenmeter darin enthalten sein können; oder jenen, dass sich das Layout nachhaltig verändert je nachdem, von welcher Richtung man kommt; oder jenen, dass man an wirklich schönen Aussichtspunkten vorbeikommt und Wien „von oben“ genießen kann; und zuletzt sicher auch jenen, dass U4-U4 zu jeder Jahreszeit recht gut zu laufen ist und der Winter die Strecke in höchst seltenen Fällen sperrt.

Hier stellen wir euch eine etwas anspruchsvollere Variante vor, sie ist gleichzeitig eine der drei Fastest Know Time Strecken des Bundeslandes Wien 2021: U4-U4 mit offiziellen 28,4 km und 820 Höhenmetern (die aber auf dem Track dann schon eher Richtung Vierstelligkeit gehen…)

Erwin Ostry ist Obmann des Ultra-Lauf-Teams (ULT) Heustadlwasser, ihn treffe ich an der U-4-Endstation Heiligenstadt. Der Startpunkt liegt direkt am Ausgang Richtung Muthgasse, und der Kurs führt uns zuerst dreieinhalb Kilometer flach dem Donaukanal entlang Richtung Kahlenbergdörfl.

Dort angekommen, nehmen wir nicht den berühmt-berüchtigten Nasenweg sondern laufen direkt links davon kurz am Fuße eines Weinbergs entlang, um dann nach rechts Richtung Waldbachsteig einzubiegen (km 5). Es ist dies die erste von vielen größeren und kleineren Anstiegen, irgendwo müssen die Höhenmeter ja zusammenkommen!

© Foto: Egon Theiner

© Foto: Egon Theiner

Am Ende des Waldbachsteigs geht es nach rechts auf Asphalt Richtung Leopoldsberg, wir erreichen von rechts kommend die Aussichtsplattform, schießen zwei Fotos und komplettieren den Kreis um das Gebäude auf der linken Seite. Zurück am Parkplatz nehmen wir nicht die bereits gelaufene Strecke, sondern den Trail, der rechter Hand (bei den Toiletten) losgeht. Verirren ist quasi unmöglich, doch bei einer Abzweigung geht es nach links weiter (und nicht hinunter nach Klosterneuburg).

Bei ca. km 8 befinden wir uns bei der Josefinenhütte, doch anstelle hinauf zum Kahlenberg zu laufen nehmen wir einen Trail, der sich auf der anderen Seite der Verkehrsinsel zwischen den beiden Straßen auftut. Es geht geradlinig Richtung Schönstatt, von dort hauptsächlich trailig weiter auf den Dreihufeneisenberg (km 10,5). Es folgt ein cooler, gut zu laufender, schneller Downhill, der „Südtiroler Trail“, der uns an dessen Ende auf eine Forststraße bringt. Dieser folgen wir knappe zwei Kilometer, dann beginnt der längste Aufstieg der Runde: 200 Höhenmeter auf 1007 Metern mit einer durchschnittlichen Steigung von 18,7 Prozent. Am Ende stehen wir auf dem Hermannskogel (km 14), es ist der höchste „Berg“ Wiens mit 542 m (und jetzt bitte keine dummen Kommentare aus den restlichen Teilen Österreichs!)

Wie gewonnen, so zerronnen, es geht bergab zum Griaß di Gott Wirt, hinüber zum Häuserl am Roan (ca. km 17). Haben wir uns bislang auch (in etwa) an die Strecke des Wienrundumadum gehalten, so erfolgt hier eine wichtige Zäsur. Es geht nicht hinunter nach Neuwaldegg, sondern auf Forstwegen und Wurzel-Trail Richtung Schottenhof (km 23). Das Ziel ist zwar nahe, noch heißt es aber Orientierungssinn bewahren, wenn es hinüber zur Jubiläumswarte geht.

Doch dann ist es so gut wie geschafft: von der Warte rüber auf die andere Straßenseite, durch den Wald, auf Asphalt kurz runter und rauf und schon nehmen wir den letzten Hügel in Angriff. Ist dieser genommen, sehen wir bereits die Heimstätte von Rapid Wien unter uns liegen und ballern einen Wiesentrail hinunter. Zu diesem Zeitpunkt befinden wir uns bereits im Erholungsgebiet „Paradies“, paradiesisch ist auch die Aussicht, in einem guten Kilometer vor dem Eingang des Bahnhofs Hütteldorf zu stehen (km 28 und ein bissl was).

Und dann können Erwin und ich zufrieden abklatschen.

Fazit: Es ist eine Strecke, die so einiges zu bieten hat und aufgrund ihrer Länge und den darin enthaltenen Höhenmetern eine gewisse Grundkondition notwendig macht. Diese U4-U4-Route bietet sowohl im Auf- wie im Abstieg keine großen technischen Schwierigkeiten, Stein- und Wurzelpassagen machen aber (wie überall) erhöhte Aufmerksamkeit notwendig - man möge sich nicht täuschen lassen, dass es eh nur ein Kindertrail für Großstadtbewohner sei. Und noch ein Fazit: In Gesellschaft läuft’s sich besser, nicht nur in den Alpen, auch im Wienerwald.

Text: Egon Theiner

Fakten

  • Startort: U-Bahn-Station U4 Heiligenstadt, Ausgang Muthgasse
  • Länge: ca. 28 km
  • Höhenmeter: ca. 1000 hm
  • Schwierigkeit: 2

 

FKT Wien - U4 - U4

GPX-Daten zur Verfügung gestellt von:
https://fastestknowntimeaustria.com

Daten zum Trailrun

FKT Wien - U4 - U4

Wien / Wien
Distanz: 28,32 km
Höhenmeter: 954 hm
neg. Höhenmeter: 896 hm
Schwierigkeit: 2
Ausgangspunkt: U-Bahn-Station U4 Heiligenstadt, Ausgang Muthgasse
Geschätzte Dauer
4 Stunden und 29 Minuten
gpx-Datei

Klassifizierung Schwierigkeit

  1. Forstraßen, Waldwege, Wiesen – eher breit und nicht steil.
  2. Trails mit technisch einfachen Abschnitten mit wurzeligen und steinige Passagen, können kurzzeitig auch etwas steiler sein.
  3. Technischere Trails, die teils abschüssig sein können und auch steilere Abschnitte aufweisen.
  4. Trails, die technisch anspruchsvoll sind: Ausgesetzte Passagen mit leichten Seilversicherungen können vorkommen.
  5. Alpine Steige mit seilversicherten Passagen, Klettersteige bis Grad 2/3 laut UIAA*. Trittsicherheit und Schwindelfreiheit absolut erforderlich!
* Offizielle Schwierigkeitsskala im Klettern. Grad 2 bis 3 = mäßig bis mittel schwierig "Geübte und erfahrene Kletterer können Passagen dieser Schwierigkeit noch ohne Seilsicherung erklettern. Senkrechte Stellen verlangen bereits Kraftaufwand."